Peter Reitmaier äußerte sich zum Sitzungsboykott der SPD-Stadtratsfraktion

Das Fernbleiben der SPD-Stadtratsfraktion hat meinen Respekt verdient und zeigt, dass sie das Herz am rechten Fleck haben und die Zeichen der Zeit endlich verstanden zu haben scheinen. Die Abgabe an einen Investor und damit auch die Kontrolle ist keinesfalls ein logischer Schritt und muss daher abgelehnt werden. Zudem dürfen keinesfalls Fördermittel, die unsere Stadt entlasten, ohne erkennbaren Grund ausgeschlagen werden.

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wurde in Gunzenhausen leider insbesondere für die breite Mehrheit verschlafen, stetig steigt der prozentuale Anteil, der für den eigenen Wohnraum vom mühsam erarbeiteten Lohn bezahlt werden muss. Das Wohl der Allgemeinheit muss in einem Sozialstaat vor dem von Investoren stehen, zudem ist die Grundaufgabe hier, einen Ausgleich zwischen Arm und Reich zu schaffen. Auch wenn der Bürgermeister und die Stadträte zur Exekutive zählen, müssen sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten dieser Aufgabe widmen. Es fehlt aber leider auch hier wesentliches Wissen und Visionen, wie eine moderne Stadt in Zukunft gestaltet werden kann und muss.

Grundsätzlich gilt, je attraktiver sich der Zugang zu einem Verkehrsmittel gestaltet, desto mehr wird es genutzt. Ein gut ausgebautes Wegenetz für den Fuß- und Radverkehr, eine fußläufig erreichbare Bushaltestelle oder das Bereitstellen neuer Möglichkeiten, wie eine wohnungsnahe Elektro-Carsharing-Station, gemeinschaftlich organisierte Mobilitätsangebote, wie Lastenrad- und Elektroradverleih, motivieren, andere Optionen, als den eigenen Pkw zu nehmen.
Die Etablierung nachhaltiger Mobiliätsoptionen trägt so maßgeblich zur Kostenreduktion bei. Gerade die Pflicht zum Bau von Pkw-Stellplätzen – vorwiegend in Tiefgaragen – stellt in der Weißenburger Straße einen relevanten Kostenfaktor dar, der mit ausreichend Mobiliätsoptionen deutlich reduziert werden könnte. Im Gegensatz dazu sind Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs wesentlich günstiger. Gute Beispiele zeigen, wie vielfältig ein umfassendes Konzept sein kann. Schon mit kleinen, niederschwelligen und kostengünstigen Angeboten – etwa (digitalen) Aushängen zu ÖPNV-Fahrplänen, sicheren Gehwegen oder Fahrradabstellanlagen in ausreichender Anzahl und Qualität – lässt sich viel erreichen und Mieter zum Umstieg bewegen. Das Parkkonzept für den motorisierten Individualverkehr ist hier zu überdenken, denn, je attraktiver das Abstellen des eigenen Autos ist, desto öfter wird dieses genutzt. Lärm und Emissionen steigen.

7,50 € als Kaltmiete sorgen zudem garantiert nicht für eine „Ghetto-Bildung“, wie von Herrn Winter befürchtet. Bei 100 Quadratmetern ist das eine Kaltmiete von 750 €. Wer dies als günstigen Wohnraum in einer Stadt wie Gunzenhausen ansieht, hat die Realität völlig aus dem Blick verloren.
Das Baugebiet Reutberg II ist durch seine Abgegrenztheit eher als ein „Ghetto“ zu betrachten, insbesondere da hier überwiegend Besserverdienende ihr Eigenheim gebaut haben. Guter Städtebau muss für eine möglichst große Vermischung sorgen, dies sorgt dafür, dass keine abgeschotteten Gebiete entstehen und damit für eine möglichst große Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Alt und Jung, Arm und Reich, Einheimische und Dazugezogene leben zusammen und profitieren von den sich ergebenden Synergien.

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